Von Kim Boatman
In vieler Hinsicht wachsen Adam und Ryan Bell in einem wohlbehüteten Kleinstadtumfeld auf. Die zehnjährigen Zwillinge leben in der kleinen kalifornischen Gemeinde Sunal und besuchen eine Schule, deren Schülerzahl diesen Herbst auf die Rekordzahl von 230 gestiegen ist – von der Vorschule bis zu Klasse 8. Lisa Bell, die Mutter der beiden Jungs, weiß jedoch, dass die Welt nur einen Mausklick weit entfernt ist.
"Meine Kinder wachsen wahrscheinlich wohlbehüteter auf als viele andere", sagt Lisa Ball. "Aber mein Mann verdient sein Geld als Softwareprogrammierer, so dass überall bei uns im Haus Computer herumstehen." Zurzeit vergnügen sich Adam und Ryan in der bei Kindern äußerst beliebten virtuellen Welt "Club Penguin". Lisa Ball kennt aber auch das Interesse ihrer Söhne an Social Networking und weiß, dass ihr Drang, sich mit anderen über das Internet auszutauschen, kaum noch zu bremsen ist. "Ich bin sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird. Ich weiß nur noch nicht wann", meint sie. "Wir sind wachsam."
Sie ist kein Einzelfall. Es geht nicht mehr nur darum, Ihre Kinder im Internet zu schützen. Tweens – also Kinder zwischen 8 und 12 – erkunden virtuelle Welten, treten über Social Networks mit anderen in Kontakt und veröffentlichen Videos auf YouTube. Kurz gesagt: Sie sind online genauso versiert wie ihre älteren Geschwister – und denselben Gefahren ausgesetzt. Laut einer neuesten Umfrage zur Sicherheit von Tweens im Internet, die vom National Center for Missing and Exploited Children gefördert wurde, hatten 90 Prozent der befragten Kinder bereits im Alter von neun Jahren Erfahrungen mit dem Internet gesammelt. Mehr als ein Drittel der Elf- und Zwölfjährigen haben Profile auf Social Networking-Websites wie Facebook und MySpace veröffentlicht, und über 25 Prozent der Tweens wurden im Internet von einem Fremden kontaktiert.
Gefahren, die Sie kennen sollten
Die meisten von uns warnen ihre Kinder davor, persönliche Informationen online zu veröffentlichen. Die Gefahr durch Fremde ist ein altbekanntes Konzept. Doch wenn Sie Ihre Kinder beim Thema Internetsicherheit nur vor Kontakten mit Fremden warnen, verkennen Sie das eigentliche Problem, meint dazu Anne Collier, Mitbegründerin von ConnectSafely, einer Website mit Tipps für Eltern und Kinder zum sicheren Umgang mit dem Internet. "Sexualstraftäter sind in dieser Altersgruppe eher weniger das Problem", meint sie. "Dies ist weitgehend zweitrangig. Die wirklich große Gefahr ist Cyberbullying. Wir sollten unseren Kindern klarmachen, dass hinter jedem Pinguin oder jeder Fee in dieser Online-Welt ein menschliches Wesen steht." Verhaltensweisen, die früher auf dem Schulhof stattfanden, wenn Kinder gemeinsam einen Mitschüler hänselten oder Gemeinheiten über andere verbreiteten, können heutzutage in Online-Welten stattfinden.
Impulsive und gewagte Aktionen können Ihre Tweens ebenfalls in Schwierigkeiten bringen. So können die meisten von ihnen vielleicht noch nicht einschätzen, welche Konsequenzen ein unpassendes Foto haben kann, das sie von einem Freund oder einer Freundin, der bzw. die bei ihnen übernachtet hat, aufgenommen und dann online veröffentlicht haben. Ein weiteres Problem besteht darin, dass ältere Tweens nicht hinter den Teenagern zurückstehen möchten, meint Anastasia Goodstein, Autorin von "Totally Wired: What Teens and Tweens Are Really Doing Online" (St. Martin’s Griffin).
"Tweens sind voller Erwartungen", sagt Anastasia Goodstein. "Viele von ihnen geben auf Social Networking-Websites nicht ihr richtiges Alter an. Auch neigen sie dazu, Instant Messaging-Kurznamen zu verwenden, die etwas unangemessen sind. Sie probieren verschiedene Identitäten aus."
Was Sie als Eltern tun können
Sie können jetzt die Basis dafür schaffen, dass ihre Kinder in den kommenden Jahren sicherheitsbewusst mit dem Internet umgehen. Unsere Experten geben folgende Tipps:
Verbringen Sie zusammen mit Ihrem Tween Zeit im Internet Besucht Ihr neunjähriger Sohn regelmäßig Club Penguin? In virtuellen Welten wie diese Website werden Benutzer durch Spielfiguren vertreten. Bitten Sie Ihr Kind, Sie durch die virtuelle Welt zu führen, in der es seine Zeit verbringt. Erstellen Sie zusammen mit Ihrem Tween ein eigenes Profil und einen Avatar bzw. eine Spielfigur, die Sie in diesem Spiel verkörpert, und spielen Sie dann das Spiel, rät Anastasia Goodstein. Achten Sie darauf, dass die Website für Kinder unter 13 Jahren gedacht ist, und nehmen Sie sich die Zeit, den Abschnitt für Eltern zu lesen.
Werden Sie ein Freund Wenn Sie als Freund auf der Social Networking-Seite Ihres älteren Tweens aufgelistet sind, erfahren Sie, wer seine bzw. ihre Freunde sind. Ältere Tweens widerstrebt es wahrscheinlich, Ihnen ihre Kennwörter zu verraten, Sie können sie jedoch auffordern, Ihnen regelmäßig ihr Profil zu zeigen.
Sprechen Sie über Datenschutz Kinder haben heutzutage eine andere Auffassung von Privatsphäre als die, mit der wir selbst aufwuchsen, meint Anne Collier Ihrem Kind ist es möglicherweise auch nicht bewusst, welche Folgen die Veröffentlichung unangebrachter Fotos von Freunden haben kann. Erklären Sie, dass im Internet nichts wirklich privat ist, sagt Anastasia Goodstein. Für einen Freund ist es ganz einfach, ein Foto von einer Social Networking-Website zu kopieren und zu verteilen. Machen Sie Ihren Kindern klar, dass bloßstellende Handy-Fotos – egal, wie lustig sie auch sein mögen – absolut tabu sind und womöglich rechtliche Folgen haben können. Übernachtet Ihr Kind bei einem Freund bzw. einer Freundin? Sprechen Sie mit den Gasteltern darüber, dass Mobiltelefone nachts außer Reichweite der Kinder bleiben.
Setzen Sie Grenzen Bringen Sie Ihren Kindern bei, Prioritäten zu setzen. Lisa Ball, die Mutter aus Kalifornien, erlaubt Ihren Zwillingen nicht, während der Schulwoche am Computer zu spielen. Sie sitzt mit ihnen vor dem Computer, wenn sie das Internet für ihre Hausaufgaben nutzen. Der Computer, den die Zwillinge nutzen, steht in einem Bereich der Wohnung, der von allen Familienmitgliedern genutzt wird. In einigen kommerziellen Softwareprogrammen sowie in einigen Betriebssystemen können Sie Nutzungsgrenzen festlegen. Websites wie Club Penguin bieten Funktionen, mit denen Eltern die Zeitdauer und den Zugriff einschränken können.
Sprechen Sie über das Thema Cyberbullying Einfach, indem Sie mit Ihrem Kind über dieses Thema sprechen, können Sie sein Verhalten beeinflussen, meint Anne Collier. Erklären Sie, dass wir manchmal vergessen, welche Wirkung wir auf andere online haben, da wir weder ihre Körpersprache noch ihre Reaktion sehen können. Versprechen Sie Ihrem Tween, dass Sie das Internet nicht verbieten werden, wenn er bzw. sie Ihnen von Cyberbullying oder anderen negativen Erfahrungen im Internet berichtet, rät Anastasia Goodstein.
Zeigen Sie ihnen, wie sie ihre Kennwörter schützen Tweens neigen eher als Teenager oder Erwachsene dazu, anderen ihr Kennwort mitzuteilen. Doch wechseln sie auch öfters ihre Freunde. Ein Freund, der zum Feind wird, kann großen Schaden anrichten, indem er mit einem Kennwort auf ein Profil zugreift und böswillige Nachrichten versendet.
Reden Sie über Datenschutzeinstellungen Sie und Ihr Tween sollten wissen, ob sein Profil oder Blog öffentlich – und somit für jedermann zugänglich – ist oder nur seinen Freunden angezeigt wird. Aber egal, welche Einstellung gewählt wurde: Ihr Kind sollte beim Veröffentlichen von Inhalten vorsichtig sein. "Wenn es etwas veröffentlicht, was seine Eltern oder Lehrer nicht sehen sollen, dann ist es auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt", meint Anastasia Goodstein.
Am besten können Sie Ihr Kind schützen, indem Sie mit ihm über seine Online-Aktivitäten sprechen und ihnen beibringen, erst nachzudenken, bevor sie online handeln. "Der ständige Austausch mit Ihrem Kind ist die beste Sicherheitsmaßnahme", meint Anne Collier.
Kim Boatman ist eine in Silicon Valley, Kalifornien, ans
Testen Sie, welchen Online-Sicherheitsrisiken Ihr Computer ausgesetzt ist, und erfahren Sie mehr dar
TestenSch
BesuchenKlicken Sie unten, um Entfernungsanweisungen f
Akzeptieren Sie jede "Freundanfrage" auf Social Networking-Websites, selbst wenn Sie die Person nicht kennen?
Abstimmen