Von Mary O. Foley
Vielen von uns ist nicht bewusst, dass zahlreiche unserer modernen Errungenschaften von winzigen Computerchips gesteuert werden. So befindet sich in Ihrem Auto möglicherweise ein kleines Gerät, das automatisch die Gebühr für eine gebührenpflichtige Brücke zahlt, sobald Sie das Mauthäuschen passieren. Die Zahlung erfolgt mithilfe eines Computerchips. Oder Sie betreten Ihr Bürogebäude mithilfe einer Sicherheitskarte. Auch dies macht ein Computerchip möglich.
Viele dieser Computerchips geben Informationen über Ihre Einkäufe, Ihre Kreditkartennummern und sogar Ihre Identität weiter. Diese Spezialchips gehören zu einem Chiptyp, der als RFID-Chip (Radio Frequency Identification = Funkfrequenz-Identifizierung) bezeichnet wird. Die Chips senden Daten über Funk an spezielle Antennen oder "Leser". Von dort werden die Daten an eine Computerdatenbank übertragen.
Eine immer größere Zahl von Gegenständen, die sich in Ihrer Brieftasche oder Ihrem Auto befinden, sind inzwischen mit RFID-Chips ausgestattet. Möglicherweise werden zukünftig auch Waren, die Sie in Geschäften kaufen, mit RFID-versehen. RFID-Chips werden zunehmend bei Zahlungssystemen eingesetzt, beispielsweise für Kreditkarten und Kundenkarten. Viele Kunden begrüßen diesen Komfort, da ihre Kredit- oder Bankkarte nicht mehr extra durch ein Lesegerät gezogen werden muss. Stattdessen halten sie lediglich ihre Brieftasche oder ihren Schlüsselbund über einen Scanner. Seit 2006 sind auch US-Reisepässe mit diesen Chips versehen, auf denen ein digitales Foto des Passinhabers gespeichert ist. In einigen US-Bundesstaaten ist diese Technologie inzwischen auch für Führerscheine gesetzlich vorgeschrieben.
Da die Chips immer kleiner – einige sind nicht größer als ein Reiskorn – und billiger werden, denken Unternehmen wie Procter & Gamble, General Motors und andere über deren Einsatz in Konsumgütern nach. So sagen Experten voraus, dass Sie eines Tages in einen Supermarkt gehen werden, dort Ihren Einkaufswagen mit Waren füllen, die mit RFID-Chips versehen sind, und dann den Supermarkt wieder verlassen, ohne dass Sie Ihre Einkäufe an der Kasse auf das Band legen müssen. Die Preise der Waren werden automatisch eingelesen und von Ihrer mit einem RFID-Chip versehenen Kreditkarte abgezogen – einfach, indem Sie Ihren Einkaufswagen an einer Gruppe Antennen vorbeischieben.
Komfort auf Kosten der Sicherheit?
Zweifellos
macht die RFID-Technologie unseren Alltag komfortabler,
beispielsweise beim Einkaufen, sie kann anderen aber auch mehr über
uns verraten, als diese wissen sollten. Tatsache ist, dass diese
Chips unbemerkt gelesen werden können. Da sie umfangreiche
persönliche Daten enthalten, werden Bedenken laut, dass diese
privaten Informationen in falsche Hände geraten könnten.
Einige Datenschutzverfechter sprechen von dieser Technologie auch als
"Spionage-Chips", da theoretisch jeder mit einem
RFID-Lesegerät, der sich an der richtigen Stelle positioniert,
die Daten entwenden könnte. Mögliche Gründe hierfür
reichen von Identitätsdiebstahl bis hin zur Überwachung
durch den Staat.
"Die Technologie bedeutet eine Bedrohung für Einzelpersonen und auch für unsere Gesellschaft", meint Ari Schwartz, stellvertretender Direktor des Center for Democracy and Technology (CDT), einer gemeinnützigen Interessensgruppe zur Verteidigung von Bürgerrechten. Bestimmte Personengruppen wie Opfer häuslicher Gewalt oder Gesetzeshüter könnten nach Meinung von Ari Schwartz besonders gefährdet sein. Langfristig könne auch unsere Gesellschaft insgesamt betroffen sein, und zwar dann, wenn diese Technologie auf Kosten der Bürgerrechte ginge. "Wenn wir nicht aufpassen, leben wir zukünftig in einer Welt, die der fiktiven Welt im Film "Minority Report" gleicht", warnt er und bezieht sich auf einen Film aus dem Jahr 2002 über eine totale staatliche Überwachung, die aus dem Ruder läuft.
Befürworter der RFID-Technologie weisen jedoch darauf hin, dass alle neuen Technologien zunächst auf Kritik stoßen. "Viele dieser Argumente wurden auch gegen Strichcodes vorgebracht", meint Mark Roberti, Redakteur der Zeitschrift RFID Journal. "Es gibt wahrscheinlich 30 bis 40 Millionen Menschen in den USA, die tagtäglich RFID-Transponder an ihrem Körper oder in ihren Autos mit sich führen, ohne dass es jemals einen Fall von Datenmissbrauch gegeben hätte", meint er.
Einige IT-Sicherheitsexperten weisen zudem darauf hin, dass die Gefahr von Lauschangriffen bei Mobiltelefonen deutlich höher ist. Anders als die meisten RFID-Chips verfügen sie über eine eigene Energieversorgung und können über mehrere Kilometer anstatt nur einige Meter zurückverfolgt werden.
So
setzen Sie RFID-Chips außer Gefecht
Da
RFID-Chips zunehmend Verbreitung finden, sollte man die damit
verbundenen Risiken kennen. Mark Roberti hat einige Tipps, wie Sie
vermeiden können, dass man Sie heimlich ausspioniert:
Wickeln Sie einen Streifen Aluminiumfolie um Ihre Bank- oder Kreditkarte, Ihren RFID-Schlüsselanhänger, Ihren Reisepass oder andere Gegenstände, die mit einem Chip ausgerüstet sind, wenn Sie sie nicht benötigen. Damit wird das Funksignal blockiert.
Zerstören Sie den Chip mit einem stumpfen Objekt.
Traktieren Sie den Chip mit statischer Elektrizität.
Entfernen Sie den Chip.
Ari Schwartz von CDT fügt hinzu, dass einige Unternehmen wie General Motors bereits auf die Bedenken ihrer Kunden reagieren und in ihren Benutzerhandbüchern oder Produktbeschriftungen darauf hinweisen, wie man RFID-Chips deaktivieren oder entfernen kann. So meint Ari Schwartz: "Hinsichtlich des Verbraucherschutzes sehen wir das als Fortschritt an."
Die überwiegende Mehrheit der Experten ist der Auffassung, dass bei der derzeitigen Nutzung von RFID-Chips für Mautzahlungen, für Zahlungssysteme und zur Identifizierung kaum ein unmittelbares Risiko für Verbraucher besteht. Tatsächlich können sie in manchen Bereichen den Alltag erleichtern. Allerdings sollten Verbraucher die Entwicklung dieser neuen Technologie im Auge behalten, damit sie wissen, wie sie sich am besten schützen können.
Mary O. Foley ist eine bei Washington D.C. ans
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