Sicherheit
Zeit zum Twittern?
Von Elizabeth Wasserman
Wendy Piersall, 39, eine berufstätige Mutter von drei Kindern aus dem Raum Chicago, konnte sich nicht entscheiden, ob sie den Namen ihres webbasierten Unternehmens von eMomsathome in Sparkplugging ändern sollte. Also beschloss sie, per Abstimmung zu entscheiden. Sie veröffentlichte eine Mitteilung über Twitter – eine kostenlose Micro-Blogging-Plattform im Internet – und stellte die Frage ihren Tausenden von Freunden, Kollegen, Kunden und Bekannten, die als Abonnenten ihrer kurzen Blog-Feeds eingetragen waren.
"Wir bekamen 150 Antworten", erinnert sich Wendy Piersall. "Ich hatte immer gedacht, meine Website sei nur für Eltern und Mütter von Interesse, doch man gab mir laut und deutlich zu verstehen, dass ich damit falsch lag. Was ich stattdessen hörte war: 'Bitte sprich mit uns wie mit Geschäftsleuten, die auch Kinder haben'. Achtzig Prozent unserer Leser sind Eltern, doch sind ihre Kinder schon älter und deshalb möchten sie das Mami-Image ablegen."
Genauso wie Wendy Piersall die Micro-Blogging-Plattform nutzte, um umgehend Feedback zur Änderung ihres Geschäftsnamens zu erhalten, verwenden viele Twitterer und Nutzer anderer Micro-Blogging-Dienste diese neue Online-Plattform, um Hunderten oder Tausenden von Online-Freunden mitzuteilen, was sie gerade so treiben, oder um sich mit ihnen über Politik, Kochrezepte, Ideen oder Sonstiges auszutauschen.
Micro-Blogging-Websites enthalten so genannten benutzergenerierten Inhalt. Das bedeutet, dass der Inhalt weder bearbeitet noch zensiert wurde. Aus diesem Grund sollten Eltern bedenken, dass Micro-Blogs jugendgefährdendes Material enthalten können. Dies gilt insbesondere für Eltern von Teenagern, die diese Websites möglicherweise ebenfalls besuchen. Eltern wird deshalb empfohlen, die Servicebedingungen der betreffenden Website zu lesen, bevor sie ihren Kindern den Zugriff erlauben.
Informieren Sie sich hier, was Sie über Micro-Blogging wissen sollten – was es ist, wie Sie teilnehmen können, wo Sie bloggen können oder welche Vorteile dieser Service bietet.
Was ist Micro-Blogging?
Stellen Sie sich Micro-Blogging als Blogging-Variante vor, bei der Sie Ihrer Umgebung eine kurze Nachricht – normalerweise nicht mehr als 140 Zeichen – zukommen lassen. Micro-Blog-Nachrichten werden über verschiedene Dienste – zu den beliebtesten gehört die 2006 gestartete Twitter-Plattform – entweder an eine begrenzte Gruppe von Freunden und "Followern" (Abonnenten) oder die allgemeine Öffentlichkeit verbreitet.
Die über Twitter verbreiteten Minibotschaften heißen "Tweets". Weitere Services sind Jaiku (2007 von Google aufgekauft), Plurk und Pownce. Jeder Service hat sein eigenes spezielles Angebot. Mit Jaiku können Sie Symbole in Ihre Nachrichten einfügen, Ihren Hintergrund anpassen und Web-Feeds hinzufügen. Pownce bietet neben seiner Micro-Blogging-Plattform auch die Möglichkeit der Dateifreigabe. Plurk erstellt eine Zeitleiste Ihrer Botschaften in chronologischer Reihenfolge.
Social Networking-Websites wie Facebook stellen außerdem als "Status-Updates" bezeichnete Micro-Blogging-Funktionen bereit. Damit können Sie Ihren Freunden mitteilen, was Sie gerade so treiben oder welche Gedanken Ihnen durch den Kopf gehen. Oder Sie können einen Link zu einem Artikel, einem Foto oder einer anderen Website senden.
Wo liegen die Vorteile?
Die meisten Menschen, die zum ersten Mal etwas über Micro-Blogging hören, reagieren ähnlich wie Paul Gillin. "Ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen und fand es blöd", so Paul Gillin, Autor des neu veröffentlichten Buchs Secrets of Social Media Marketing (Quill Driver Books). "Dass Twitter so beliebt ist, ist eines der großen Rätsel sozialer Medien."
Seit Paul Gillin selbst unter die Twitterer gegangen ist und mittlerweile über 1.100 Follower hat, kann er besser verstehen, was Twitter so populär macht. "Wenn Sie erst einmal eine kritische Masse von Followern haben, können Sie mit unglaublicher Geschwindigkeit Antworten auf Fragen erhalten", meint Paul Gillin. An Flughäfen gestrandete Reisende haben Micro-Blogging verwendet, um kurzfristig eine Bleibe zu finden. Andere nutzen den Dienst, um Kinofilme, Theaterstücke oder andere Aufführungen zu empfehlen. Und wiederum andere tauschen sich über Micro-Blogs mit anderen Nutzern über politische Themen, soziale Fragen, Fragen zur Wirtschaft und andere Themen aus, ohne viel Zeit in endlose E-Mails investieren zu müssen oder Zeit mit Telefonieren zu verlieren. "Es hat etwas Befreiendes, sich mit anderen in knappen Botschaften auszutauschen, ohne langatmige Erklärungen", sagt Paul Gillin.
Wie können Sie mitmachen?
Am besten gelingt der Einstieg, wenn Sie sich vorab ausreichend informieren, damit Sie die ungeschriebenen Regeln verstehen. "Spammen Sie nicht. Machen Sie sich nicht unbeliebt. Verbreiten Sie keine Informationen, die jeder schon kennt", erklärt Wendy Piersall.
Plattformen wie Twitter verfügen meistens über ein einfaches Anmeldeverfahren. Wählen Sie einen Benutzernamen und ein Kennwort, akzeptieren Sie die Nutzungsvereinbarung (natürlich, nachdem Sie sie gelesen haben) und schon sind Sie dabei. Ihr erster Schritt könnte sein, einige interessante Teilnehmer ausfindig zu machen, deren Micro-Blog-Feeds zu abonnieren und sich mit ihnen zu unterhalten.
"Noch besser geht´s, wenn Sie geistreich oder witzig sind", so Wendy Piersall. Nach einer Weile werden andere Twitter-Nutzer Ihre Feeds abonnieren und Sie in zahlreiche unterschiedliche Gespräche gleichzeitig verwickeln – mit für Sie hoffentlich spannenden Themen. Keine Ahnung, worüber Sie "tweeten" sollten? "Letztlich ist alles eine Frage des Nutzens", so Wendy Piersall. Wenn Sie der Meinung sind, Sie haben einen interessanten Nachrichtenlink oder eine interessante Idee für ein Schulprojekt, lassen Sie es Ihre Follower wissen.
Und wo kann ich Micro-Bloggen?
Die meisten Micro-Blogging-Websites akzeptieren Nachrichten von mehreren unterschiedlichen Plattformen. So können Sie von Ihrem Computer zu Hause aus über das Internet auf den Micro-Blogging-Dienst zugreifen. Eine wachsende Zahl von Diensten unterstützt zudem Anwendungen auf internetfähigen Mobiltelefonen. Twitterific ist beispielsweise eine Twitter-Anwendung für das iPhone. Jaiku bietet einen mobilen Service für Nokia S60 3rd Edition-Handsets und herunterladbare Web-Widget-Anwendungen für andere Telefone an. Bei den meisten Anbietern (z. B. Pownce) ist es außerdem möglich, direkt von Ihrem Instant Messaging-Konto mit dem Dienst zu kommunizieren.
Wie halte ich meinen Micro-Blog auf dem Laufenden?
Paul Gillin hat die Erfahrung gemacht, dass es einfach ist, sich regelmäßig Zeit fürs Micro-Bloggen zu nehmen, wenn erst einmal ein Anfang gemacht ist. "Es macht süchtig", verrät er. "Sie haben das Gefühl, Sie könnten etwas verpassen. Sie fühlen sich vom Gespräch ausgeschlossen." Häufig finden Sie mehrere unterschiedliche Gespräche, zu denen Sie immer wieder zurückkehren – ob über Sport, Politik, wirtschaftliche Themen oder Kindererziehung.
Im Zeitalter der Informationsüberflutung, in der unsere Zeit sehr stark beansprucht ist und es uns schwer fällt, mit anderen in Verbindung zu verbleiben, stellt Micro-Blogging eine Plattform bereit, die den Austausch mit zahlreichen unterschiedlichen Menschen gleichzeitig ermöglicht. "Das Kurzmitteilungsformat macht es einfacher, diese Gespräche zu führen", so Wendy Piersall. "Anstatt Ihre Freundin anzurufen, können Sie ihr twittern."