Von Kim Boatman
Nur noch das Kleingedruckte trennt Sie von Ihrem neuen webbasierten E-Mail-Konto oder Ihrer Social Networking- und Fotosharing-Website.
Die meisten von uns können nicht schnell genug durch die lästige Nutzungsvereinbarung für die Website klicken. Wer möchte schon Zeit mit dem Lesen rechtlicher Hinweise verbringen, wenn stattdessen das Facebook-Profil mit Daten gefüllt und neue Freundschaften geschlossen werden könnten?
"Sie sollten auf jeden Fall immer erst durch die Nutzungsbedingungen klicken. Die meisten Nutzer haben sich wohl inzwischen angewöhnt, diese Seiten nicht mehr zu lesen", so Matt Sarrel, Informationssicherheitsexperte und Executive Director der Sarrel Group, einem Beratungsunternehmen für Informationstechnologie. "Diese Nutzer machen jedoch einen Fehler."
Der Aufstieg des Cloud-Computing
Immer mehr Privatanwender gehen dazu über, ihre Fotos, Videos und persönlichen Informationen online auszulagern. Dieser Trend der Nutzung von Softwareanwendungen und Informationen über das Internet wird als "Cloud-Computing" bezeichnet. Cloud-Computing ist inzwischen dank seiner bequemen Nutzung bei vielen Anwendern äußerst beliebt. Allerdings warnen Sicherheitsexperten wie Matt Sarrel vor den zahlreichen Risiken, die das Auslagern von Daten auf diesen Websites mit sich bringt.
Eine im September durchgeführte Untersuchung des Pew Internet and American Life Project kommt zu dem Ergebnis, dass 69 Prozent der Internetbenutzer bereits Cloud-Computing-Lösungen in der einen oder anderen Form genutzt haben. Gleichzeitig gaben 68 Prozent der Cloud-Computing-Benutzer an, dass sie die Vorstellung, ihre persönlichen Daten könnten für gezielte Werbung analysiert werden, für äußerst bedenklich halten – aber gerade diese Nutzung ist bei einigen Websites und Onlinediensten gängige Praxis.
"Wir haben von vielen Leuten gehört, die einige dieser Cloud-Computing-Anwendungen nutzen, dass ihnen die Vorstellung, ihre Daten könnten für andere Zwecke verwertet werden, alles andere als behagt", so John Horrigan, Autor der Pew-Studie und Associate Director of Research. "Anwender denken praktisch. Aber manchmal wägen sie Risiken ab, ohne umfassend informiert zu sein. Diese Dienste sind bei Nutzern beliebt, da sie bequem und unterhaltsam sind."
Das Kleingedruckte
Es ist in Ihrem besten Interesse, sich eingehend darüber zu informieren, was im Kleingedruckten steht. Matt Sarrel und andere Experten geben folgende Tipps:
Wissen, was Sie lesen sollten. Im Allgemeinen legen Nutzungsvereinbarungen für Websites genau fest, was Sie tun dürfen, während Datenschutzrichtlinien angeben, auf welche Weise das betreffende Unternehmen Ihre Daten nutzen darf, erklärt Matt Sarrel. Nutzungsvereinbarungen für Websites können beispielsweise das Äußern von Kritik an der Cloud Computing-Website oder dem Cloud-Computing-Unternehmen untersagen. Eine Website behält sich möglicherweise das Recht vor, Ihre Daten zu entfernen, wenn sich jemand über Sie beschwert – unabhängig davon, ob die Beschwerde untersucht wird oder nicht. In diesen Fällen könnten Familienfotos auf einer Fotosharing-Website ohne weitere Erklärung entfernt werden. Oder in einem webbasierten E-Mail-Konto gespeicherte E-Mails könnten ohne Vorwarnung verschwinden – ohne Aussicht auf Wiederherstellung.
Wenn Sie also wirklich ungeduldig sind, sollten Sie zumindest die Datenschutzrichtlinien lesen, rät Josh King, Vice President of Development und juristischer Berater für Avvo, eine Website für Rechtsauskünfte. "Sie sind meistens deutlich kürzer und daher einfacher zu lesen", so Josh King.
Informieren Sie sich über das Unternehmen. Sie wissen nicht, was all das Kleingedruckte wirklich bedeutet? Leisten Sie ein wenig Detektivarbeit, bevor Sie eine Website zum ersten Mal nutzen. "Investieren Sie 15 Minuten Ihrer Zeit für eine Google-Suche. Lesen Sie Blogs, und besuchen Sie Chat-Räume", so Josh King. Informieren Sie sich, was andere über den Kundenservice und die Zuverlässigkeit einer Website zu sagen haben. Diese Informationen können Ihnen die Entscheidung für oder gegen die betreffende Website leichter machen, insbesondere wenn es sich um eine relativ neue Website handelt, über die noch nicht allzu viele Informationen vorliegen.
Informieren Sie sich, was mit Ihren Daten geschieht. Sie sollten genau verstehen, welche Informationen ein Unternehmen sammelt und wie es Ihre Daten analysieren, aufzeichnen oder verkaufen wird, erklärt Matt Sarrel. Möglicherweise ist für eine Website angegeben, dass sie die in Ihrem Profil gespeicherten Informationen nutzen wird, ohne Sie als Person gegenüber Dritten zu identifizieren – doch dieser Gedanke beunruhigt Sarrel. Falls das Unternehmen lediglich den Namen herausfiltert, so könnten andere Sie vielleicht doch anhand der Informationen zu Ihrem Wohnort, der von Ihnen besuchten Schule und anderen persönlichen Details identifizieren. "Das ist meiner Meinung nach mehr als bedenklich. Jemand könnte letztlich das Puzzle zusammensetzen", so Matt Sarrel. Wenn ein Unternehmen Ihre Daten verkauft oder an andere weitergibt, sollten Sie außerdem genau verstanden haben, wie diese Ihre Daten nutzen können. Auch sollten Sie sich darüber im Klaren sein, was mit Ihren Daten passiert, wenn Sie die mit einer Website verbundenen Anwendungen von Drittanbietern nutzen. So können Sie beispielsweise in Facebook Anwendungen nutzen, um kurze Nachrichten oder Geschenke an andere Mitglieder zu senden. "Facebook übernimmt jedoch keine Garantie dafür, wie diese Anwendungen auf Ihre Informationen zugreifen, diese veröffentlichen oder weitergeben", erklärt Matt Sarrel.
Wissen, was im schlimmsten Fall passieren kann. Was geschieht, wenn die Website geschlossen oder verkauft wird bzw. bankrott geht? Die Website sollte genaue Angaben dazu enthalten, was in diesen Fällen mit Ihren Informationen, Fotos und anderen Daten geschieht, so Matt Sarrel. Sie sollten erfahren, ob das Unternehmen seine Datenbank verkaufen wird.
Halten Sie nach aktualisierten Informationen Ausschau. Viele Websites behalten sich das Recht vor, die für die Website geltenden Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien zu ändern. In der Vereinbarung sollte festgehalten sein, wann (oder sogar ob) Sie über Änderungen informiert werden. "Sie sollten normalerweise davon ausgehen können, dass Sie bei einer wichtigen Änderung benachrichtigt werden", meint Josh King.
Es geht selbstverständlich nicht darum, Cloud-Computing zu vermeiden. Zu viele von uns nutzen diese Services bereits mit großem Erfolg. Es geht vielmehr darum, überlegt zu handeln und das Kleingedruckte zu lesen. Und noch ein nützlicher Tipp: Erstellen Sie Backup-Kopien von allem, was Sie behalten möchten. "Verlassen Sie sich nicht einfach auf die Zusicherung eines Unternehmens, dass Sie ihm vertrauen können", rät Josh King.
Kim Boatman ist eine in Silicon Valley, Kalifornien, ans
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