Von Michelle V. Rafter
Als der erste Kindle im Jahr 2007 neu auf den Markt kam, war Jesse Vincent zwar neugierig, aber nicht unbedingt überzeugt, dass das E-Book-Lesegerät mit seinem 6-Zoll-Schwarzweißbildschirm seinen hohen Preis wert war. Zwei Jahre später brachte Amazon einen schlankeren Kindle 2 auf den Markt – mit längerer Akkulaufzeit, einer schnelleren Seitenaktualisierung und Platz für 1.500 Bücher. Jesse Vincent konnte nicht mehr widerstehen. "Es war verlockend", meinte der Softwareentwickler aus Somerville, Massachusetts.
Inzwischen hat Amazon nahezu 400.000 Kindles an Buchliebhaber und Technikbegeisterte verkauft. Der Kindle und andere E-Book-Lesegeräte revolutionieren die Welt der Literatur zwar nicht so stark, wie dies von Befürwortern beschworen wird, man kann sie aber längst nicht mehr ignorieren.
Und noch etwas anderes lässt sich nicht ignorieren: die Sicherheitsprobleme, die E-Book-Lesegeräte aufwerfen. In den letzten Monaten berichteten einige Kindle-Besitzer über Twitter, wie ihre Geräte gestohlen und ihre Konten von Fremden übernommen wurden. Da es sich bei E-Book-Lesegeräten im Wesentlichen um Computer mit einer 3G-WLAN-Verbindung und einem Webbrowser zum Herunterladen elektronischer Daten handelt, sollten sie und die darauf gespeicherten Daten entsprechend geschützt werden.
Eine Flut von E-Books und E-Readern
Amazon bietet in seinem Online-Store zirka 275.000 E-Books an – wobei täglich weitere Titel hinzukommen. Damit ist Amazon der größte Lieferant von E-Books und E-Readern. Kurz nach Auslieferung des Kindle 2 im Februar stellte das in Seattle ansässige Unternehmen den Kindle DX vor – ein größeres Modell mit einem 9,7-Zoll-Bildschirm und integriertem PDF-Leseprogramm, das zum Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und großformatigem Material optimiert wurde. Diesen Herbst nehmen Studenten an sechs Universitäten – darunter Princeton und die Arizona State University – an einem Pilotprogramm teil, in dem der Kindle DX zum Lesen von Lehrbüchern und Vorlesungsskripts eingesetzt wird.
Doch inzwischen bekommt der Kindle Konkurrenz: So bringen andere Unternehmen wie Sony, Plastic Logic und iRex eigene E-Reader auf den Markt. Und falls Sie Ihr Smartphone nicht aus der Hand legen können, gibt es E-Reader-Anwendungen speziell für Smartphones. So werden für das iPhone Anwendungen wie Eucalyptus und Stanza angeboten. Für den Blackberry gibt es den eReader. Unter auf Windows-basierten Geräten können Sie den Mobipocket Reader installieren.
Sicherheitsprobleme
Was die Sicherheit angeht, so unterscheiden sich E-Reader kaum von Computern oder Smartphones. Die folgenden Probleme sollten Sie kennen und wissen, wie Sie sich davor schützen können:
Diebstahl des Geräts. E-Reader sind teilweise deshalb so beliebt, weil sie kompakt und leicht sind. Zum jetzigen Zeitpunkt können Kindles nicht mit einem Kennwort geschützt oder gesperrt werden. "Jeder kann einen Kindle einfach aufheben und ein Dokument lesen", meint Garrett Kiely, ein Kindle-Benutzer und Direktor der University of Chicago Press, die 344 – das sind nahezu 10 Prozent – ihrer wissenschaftlichen Texte auf dem E-Reader zur Verfügung stellt. Gehen Sie auf Nummer sicher, indem Sie einige Sicherheitsmaßnahmen beachten. Legen Sie Ihr Gerät nach dem Lesen sofort zurück in Ihre Aktentasche, Handtasche oder Computertasche.
Identitätsdiebstahl. Da ein Kindle weder gesperrt noch mit einem Kennwort gesichert werden kann, ist es für jeden Dieb problemlos möglich, sich unter Ihrer Identität einzuloggen und E-Books über Ihre Kreditkarte abzurechnen. Fälle wie diese wurden kürzlich von Betroffenen auf Twitter beschrieben. Selbst wenn Sie Ihre Kreditkarte sperren, kann ein Dieb Ihr Konto im E-Book-Store von Amazon deaktivieren und ein neues Konto unter seinem Namen und seiner Kreditkarte einrichten. "Es gibt keine Möglichkeit zu überprüfen, ob ein auf diese Weise genutzter Kindle gestohlen ist", erklärt Stephen Peters, ein Autor aus Woodland Hills, Kalifornien, und Verfasser von Kindle Culture (Arte Intera Press), einem E-Book über den Amazon E-Reader.
Viren. E-Reader nutzen dasselbe 3G-WLAN-Netzwerk wie Mobiltelefone sowie abgespeckte Versionen von Webbrowsern, um über das Internet eine Verbindung zu E-Book-Stores herzustellen. Mit einigen Geräten kann zudem eine Verbindung zu einem Laptop- oder Desktop-Computer hergestellt werden, um Dateien hoch- oder herunterzuladen. Es ist also durchaus denkbar, dass ein E-Reader versehentlich mit einem Virus oder Wurm aus einer E-Mail-Nachricht, einer Datei oder von einer Website infiziert wird. Bisher sind zwar noch keine derartigen Fälle bekannt, meint Stephen Peters, aber das bedeutet nicht, dass sich mit wachsender Beliebtheit der E-Reader nicht auch das Risiko erhöht. Dies liegt vor allem daran, dass Hacker Viren hauptsächlich für Windows-basierte Computer programmieren, da sie am weitesten verbreitet sind. Da die Zahl der Benutzer von Kindles und anderen E-Readern im Vergleich dazu verschwindend gering ist, sind diese Ziele für Hacker zurzeit noch nicht attraktiv, so die Erklärung von Stephen Peters.
Sollten Sie bereits jetzt schon zu den E-Book-Enthusiasten gehören und über die Anschaffung eines E-Books nachdenken, können Sie davon ausgehen, dass die Anzahl der Bücher und anderen Texte, die auf diesen Geräten gelesen werden können, deutlich zunehmen wird. Doch sollten Sie wie bei allen anderen tragbaren elektronischen Geräten nicht die Sicherheitsrisiken außer Acht lassen, die mit E-Readern verbunden sind. Behandeln Sie einen E-Reader mit derselben Sorgfalt wie ein Mobiltelefon oder einen Laptop. Bewahren Sie das Gerät sicher auf, wenn Sie es nicht benutzen, so dass es nicht verloren geht oder gestohlen wird. Achten Sie auch darauf, was Sie herunterladen.
Michelle V. Rafter ist eine in Portland, Oregon, ans
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