Von Margie Wylie
Wie so viele andere Aspekte des Lebens Ihrer Kinder spielt sich dieses Schikanieren (engl. "Bullying" oder "Mobbing") mittlerweile in der virtuellen Welt ab. Sie sind der festen Meinung, Ihre Kinder haben noch keine Erfahrungen mit Belästigungen auf dem virtuellen Schulhof gemacht? – Falsch gedacht! Laut einer Studie, die 2004 von der gemeinnützige Online-Organisation WiredSafety durchgeführt wurde, hat die Hälfte aller Kinder schon Cyberbullying am eigenen Leib erfahren, und eine ebenso große Zahl gibt zu, andere online schikaniert zu haben. Die Täter wenden häufig dieselben Taktiken an wie in der realen Welt. Sie quälen und hänseln andere Kinder aus der Distanz mithilfe von E-Mail-Botschaften, Websites, Online-Spielen, Instant Messaging, Blogs und Community-Websites wie MySpace oder AOL-Chat-Räume. Beleidigungen im Internet sind genauso schmerzlich wie in der realen Welt – nur bleiben die Täter beim Cyberbullying oft anonym und verstecken sich hinter fingierten E-Mail-Adressen und Anzeigenamen.
Cyberbullying kann ohne Zweifel niederschmetterend sein. Manche Opfer werden z. B. mit Instant Messages wie "Jeder hasst dich" oder "Du bist eine Null" geradezu unter Beschuss genommen. Andere erstellen Websites, um andere Kinder zu verhöhnen oder zu demütigen. Eine beliebte Variante sind z. B. Online-Abstimmungen mit Themen wie "Die zehn hässlichsten Mädchen der Schule". Angreifer können sich auch als ihr Opfer ausgeben und beispielsweise fingierte Kontaktanzeigen veröffentlichen, in denen das Opfer angeblich auf Partnersuche geht. Oder sie verschaffen sich Zugang zum E-Mail-Konto des Opfers und senden gehässige Nachrichten an dessen Freunde.
Falls Ihr Kind Opfer von Cyberbullying wurde, gibt es Reihe von Maßnahmen, mit denen Sie sich zur Wehr setzen können, so Nancy E. Willard, Autorin vonCyberbullying and Cyberthreats: Responding to the challenge of online social cruelty, threats, and distress.
1. Identifizieren und Blockieren
Bitten Sie Ihr Kind zunächst, weder zu reagieren noch Rache zu üben, ganz gleich, wie verlockend es sein mag, sich zu wehren. Wenn Sie wissen, von wem Ihr Kind im Internet gemobbt wird, blockieren Sie jede weitere Kommunikation. Wechseln Sie in Ihrem Instant Messenger-Programm zu "Kontakte" oder "Freunde" im Hauptmenü, und wählen Sie beispielsweise "Kontakt blockieren" oder "Freund entfernen" aus. Fügen Sie die verdächtige E-Mail-Adresse in Ihrem E-Mail-Programm zu Ihrer Liste der blockierten Absender hinzu. Wenden Sie sich an WiredSafety, wenn Sie Hilfe bei Ihren Online-Ermittlungen benötigen. Die geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter von WiredSafety helfen Ihnen auch, ausfindig zu machen, wer sich hinter den Belästigungen verbirgt.
2. Setzen Sie Grenzen
Sie (nicht Ihre Kinder) sollten außerdem den bzw. die Verantwortlichen kontaktieren und verlangen, das feindselige Verhalten sofort einzustellen. Wenn Sie die echte Identität der Täter nicht kennen, senden Sie eine E-Mail oder Instant Message. Geben Sie ihnen zu verstehen, dass Sie die Eltern oder die Schule informieren werden, wenn dieses Verhalten nicht unverzüglich eingestellt wird.
3. Reichen Sie eine Beschwerde ein
Die meisten Formen von Cyberbullying – Belästigungen, Drohungen, Verletzung der Privatsphäre, Stalking – verstoßen gegen die "Servicebedingungen" einer Website oder eines Internet Service Providers. Indem Sie eine Beschwerde beim zuständigen Serviceanbieter einreichen, können Sie gegebenenfalls bewirken, dass der Internetzugang des Online-Aggressors (oder der Zugriff seiner Eltern) vorübergehend oder dauerhaft gesperrt wird.
4. Informieren Sie die Schule
Wenn Sie wissen, dass sich hinter den Online-Belästigungen ein Mitschüler Ihres Kindes verbirgt, können Ihnen möglicherweise Lehrer oder Verwaltungsbeamte der Schule weiterhelfen. Denken Sie jedoch daran, dass aufgrund des Rechts auf freie Meinungsäußerung Schulen häufig nur wenig Einfluss darauf haben, was außerhalb des Klassenzimmers geschieht. An einigen Schulen wurden die Online-Zugriffsbedingungen für Schüler durch Bestimmungen ergänzt, die Cyberbullying betreffen. Deshalb kann der Täter in ernste Schwierigkeiten geraten, falls er von einem Schulcomputer aus Kontakt mit Ihrem Kind aufgenommen hat. Auf jeden Fall sollten Sie den Vorfall melden.
5. Senden Sie ein Einschreiben
Wenn Sie alles getan haben, was in Ihrer Macht steht, und die Belästigungen dennoch nicht eingestellt wurden, senden Sie eine Unterlassungsverfügung per Einschreiben an die Eltern des Kindes. Fügen Sie dem Schreiben Computerausdrucke bei, die das belästigende Verhalten belegen (z. B. E-Mails oder Instant Messaging-Abschriften). Verlangen Sie von den Eltern einzugreifen und die Mobbing-Aktionen zu stoppen. Nancy Willard, die auch Anwältin und Direktorin des Center for Safe and Responsible Internet Use ist, erklärt, dass der eingeschriebene Brief als Beweis dient, dass die Eltern über die Verhaltensweisen ihres Kindes informiert wurden und zur Verantwortung gezogen werden können, wenn das Verhalten nicht gestoppt wird.
6. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt
Im schlimmsten Fall kann Ihnen ein Anwalt helfen, gegen den Täter und/oder dessen Eltern Anklage wegen Verleumdung, Belästigung oder anderer Vergehen zu erheben. Manchmal reicht schon die Androhung einer Klage, um diese Aggressionen im Keim zu ersticken.
7. Wenden Sie sich an die örtliche Polizei
Wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Taktiken kriminelle Handlungen wie Volksverhetzung, körperliche Bedrohungen oder Gerede über das Mitbringen von Waffen an Schulen einschließen, wenden Sie sich umgehend an die örtliche Polizei. Gegen Täter, die heimliche Nacktaufnahmen ihrer Opfer im Internet veröffentlichen, kann zudem Anklage wegen Kinderpornographie erhoben werden. Auf jeden Fall sollten Sie Beispiele für das diffamierende Verhalten ausdrucken und der Polizei übergeben. Die Polizei kann ihre Beschwerde nutzen, um bei Bedarf weitere zulässige Beweise auf dem Computer Ihres Kindes sicherzustellen.
8. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über richtige Verhaltensweisen
Um Cyberbullying wirklich stoppen zu können, müssen Sie zunächst herausfinden, was überhaupt vorgeht, wenn Ihre Kinder online sind, meint Anne Collier, Redakteurin der Website NetFamilyNews, einem gemeinnützigen Informationsdienst für die Online-Sicherheit von Kindern. Kinder zögern oft, mit ihren Eltern über Cyberbullying oder andere Interneterfahrungen zu sprechen, da sie befürchten, die Eltern könnten alles nur noch schlimmer machen. Andere wiederum sind der Meinung, dass ihre Aktivitäten im Internet "Privatsache" sind. Das genaue Gegenteil trifft zu, meint Nancy Willard: "Kinder sollten wissen, dass das Internet ein öffentlich zugänglicher Ort ist und als solcher behandelt werden muss."
Nancy Willard empfiehlt, sich mit den Anzeigenamen und E-Mail-Adressen Ihrer Kinder vertraut zu machen und nicht zu zögern, nach den Online-Identitäten Ihrer Kinder zu suchen (mit Google oder mittels Suchfunktion). Zudem sollten Eltern ihren Kindern gegenüber ehrlich sein: Teilen Sie ihnen mit, dass Sie sie regelmäßig kontrollieren werden. Und tauschen Sie sich mit den Eltern der Freunde Ihrer Kinder aus, so der Rat von Nancy Willard. Deutlich machen, was Sie erwarten – nicht nur von Ihren Kindern, sondern von allen Beteiligten – kann zukünftige Probleme vermeiden.
"Man braucht heute ein ganzes virtuelles Dorf, um ein Kind zu erziehen", meint Nancy Willard.
Anne Collier empfiehlt zusätzlich, "Nutzungsregeln" oder einen Vertrag für den Umgang mit dem Heimcomputer oder anderen SMS-Geräten aufzustellen bzw. abzuschließen. Darin sollten alle Aspekte der Internetznutzung geregelt sein, darunter auch, wie lange Ihre Kinder das Internet täglich nutzen dürfen. Oder welche Websites, Messaging-Services und Chat-Räume sie ansteuern dürfen. Sprechen Sie mit Ihren Kindern auch darüber, welche persönlichen Informationen – einschließlich Fotos – sie online veröffentlichen dürfen.
"Fragen Sie Ihr Kind: 'Was machst Du, wenn...?', und nehmen Sie dann für beide Seiten akzeptable Antworten in den Vertrag auf", rät Anne Collier. Das unterzeichnete Versprechen Ihrer Kinder, zu anderen im Internet freundlich zu sein und Sie zu informieren, wenn sie (oder andere Personen) Opfer von Cyberbullying werden, kann viel dazu beitragen, Probleme zu verhindern, bevor sie Schaden anrichten können.
Margie Wylie lebt als freiberufliche Autorin in San Francisco und ist Mutter von zwei Kindern. Ihre Beitr
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